Heimische Sträucher für eine freiwachsende, insektenfreundliche Hecke in Norddeutschland

Gerade wurde ich gefragt, welche heimischen Sträucher man für eine freiwachsende Hecke in Norddeutschland empfehlen kann. Daher schreibe ich hier einmal eine Liste der häufigsten Sträucher, die für eine solche Heckenpflanzung ohne Schnitt geeignet sind. Diese Hecke ist, einmal eingewachsen, total pflegeleicht. Man schneidet nicht, man düngt nicht, man wässert nicht – so wie hier auf dem Foto die Hecke aus ungeschnittenem Liguster in der Blüte.

Die Sträucher müssen einfach nur im ersten Jahr genug gewässert und eventuell auch gedüngt werden. Ab dem Moment, an dem die Sträucher lange neue Triebe von ca 50 cm ausbilden, zeigen sie an, dass sie genug Wurzeln gebildet haben, um allein zurecht zu kommen. Dann das Laub einfach liegen lassen, so dass es vor Ort verrottet und die Sträucher so auf natürliche Weise düngt.

Später kann dann ein Frühblüherteppich dort gepflanzt werden, wo genug Laub unter dem Strauch liegen bleibt: Schneeglöckchen und Co

Die folgenden Sträucher sind alle insektenfreundlich und damit auch vogelfreundlich. Sträucher mit Dornen bieten den Vögeln zudem Unterschlupf.

  • Weißdorn (Crataegus monogyna) – Waldrand, Einzelstand, Dornen, Blüte im Mai (auch als Heiltee), essbare mehlige rote Beeren, ökologisch einer der wertvollsten Sträucher, 5 m
  • Schlehe (Prunus spinosa) – Gebüschrand, Dornen, Achtung nur auf sehr großen Grundstücke pflanzen, da sie Ausläufer macht! Natürlich, wer die Arbeit nicht scheut, kann die Ausläufer auch jedes Jahr 1 – 2 x herunterschneiden, ökologisch sehr wertvoller Strauch, früheste Blüte im März, essbare, bittere Schlehenfrüchte, 3 m
  • Liguster (Ligustrum vulgare) – klein bleibend, blaugrünes Laub, nicht geschnitten mit einer attraktiven cremeweißen Blüte im Juni, schwarze ungenießbare Beeren für den Dompfaff den ganzen Winter über, die Form: Ligustrum vulgare atrovirens ist immergrün, die Wildform nicht wirklich, 2,5 m
  • Wildrosen wie Rosa rubiginosa (mit Blattduft), Rosa glauca, Rosa canina, Rosa villosa u.a. – Einzelstand oder lichtes Gehölz, Dornen, Blüte im Juni, Hagebutten ab August, ökologisch wertvoll, 2,5 – 3,5 m
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) – Einzelstand oder lichtes Gehölz eher in der Sonne, gerne zu Beginn Kalk geben, wenn der Boden eher sauer ist, Blütendolden im April, unverträgliche Beeren, 2,5 – 3 m
  • Ilex (Ilex aquifolium) – nur diese Art ist heimisch, für Waldrand, auch für tiefen Schatten, nicht für trockene Standorte, stachelige Blätter = Vogelschutz, immergrün, rote unverträgliche Beeren sind Weihnachtsdeko, 4 (…) m
  • Faulbaum (Frangula alnus) – Super-Insektenpflanze, nur hieran legt der Zitronenfalter bei uns seine Eier, viele Bienen, unscheinbare Blüte im VI.., Bienenbaum!, kleine unverträgliche schwarze Beeren, wo der Boden feucht ist, 3-4 m
  • Gemeiner Schneeball / Wasser-Schneeball (Viburnum opulus) – nur die reine Wildform (nur die 2 lateinischen Namen ohne Zusatz) trägt auch rote Früchte, tellerhortensienartige Blüte im Mai, rote Herbstfärbung, rote ungenießbare Früchte den ganzen Winter über, nur für wirklich eher feuchte Böden, Grabenrand, Gehölzrand, 3 m
  • Haselnuss (Coryllus avellana) – guter Sichtschutz, bietet Stangen für den Gemüsegarten, Klettergehölz für Kinder, Kätzchen im Februar (Allergie?), Nüsse im Herbst für Menschen und Eichhörnchen, die echte Wildform gibt es vielleicht gar nicht mehr., 4-5 m
  • Kornelkirsche (Cornus mas) – Frühblüher mit grüngelber Blüte Anfang März, rote saure, essbare Kirschen ab August, aus Süddeutschland, mag eigentlich anderen Boden, kommt aber nach einer Starthilfe auf unseren Böden gut zurecht, Freistand und Gehölzrand, auch Sonne, 4 (…) m
  • Purpurweide (Salix purpurea) – auf eher feuchten Böden, bei uns auf saurem, ehemaligen Moorboden sehr gut, zartestes, blaugrünes Laub, lange peitschenartige Zweige, männliche Exemplare mit zarteren Kätzchen, 3 – 5 m
  • Krieche / Haferschlehe (Prunus insititia) – macht Ausläufer wie Schlehe, Zwischenform zwischen Schlehe und Pflaume, etwas bittere, aber für mich leckere, mittelgroße Früchte, Blüte im April, gerne auch sonnigere Standorte oder lichte Gebüsche, 4 (-6) m
  • Steinweichsel / Felsenkirsche (Prunus mahaleb) – Blüte im April, Wildform der Sauerkirsche, essbare Früchte, auch sonnigere Standorte oder lichte Gebüsche, 4 (-6) m
  • Perückenstrauch (Cotinus coggygria) – aus Süddeutschland etc, für Trockenhänge und volle Sonne, Herbstfärbung, seltsamer Blütenstand, nicht die rotblättrige Züchtung sondern die Wildform nehmen, 3-4 m
  • Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) – für vollen Schatten, Waldrand, zarte cremefarbene Blüte in V, recht giftige Beeren im Herbst, 1,5-3 m
  • Feldahorn (Acer campestre) – Herbstfärbung buttergelb, auch Bienen, trockenresistent, auch für Knicks, also Rückschnitt geeignet, 5-10 m

Und viele andere mehr…

Viel Spaß beim Experimentieren.

Eine Meinung zu “Heimische Sträucher für eine freiwachsende, insektenfreundliche Hecke in Norddeutschland

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