Julia Wehner
Julia Wehner

Jetzt im Naturgarten: Heimischer Wasserdost – ein Insektenmagnet

Der heimische Wasserdost (Eupatorium cannabium) blüht jetzt blassrosa. Der häufig gepflanzte nordamerikanische Purpur-Wasserdost ist dagegen viel größer und blüht kräftiger pupurfarben.
Beide Arten ziehen viele Insekten an. Der heimische Wasserdost steht gern am Wasserrand und in feuchten, schattigen Ecken des Gartens. Dieses Jahr sind im Sommer viele Blumen fast vertrocknet. Aber dieses Exemplar im Gemüsegarten wurde auch im Sommer fleißig gesprengt und ist daher doppelt so groß wie üblich. Hier kann man nach besonderen Faltern suchen. Oder man sieht neben den Honigbienen der Menschen auch diese wilde (an Wildbienen schmarotzende) rot-schwarze Blutbiene.

Heilziest – jetzt in voller Blüte

Der Heilziest (Betonica officinalis) hat einen doppelten Wert: Diese heimische Wildpflanze ist wunderbar zierend und bei der heimischen Tierwelt sehr beliebt. Wollbienen, Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen, und etliche Falter fliegen auf ihn.

Hier zusammen mit dem großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) und der schwarzen Königskerze (Verbascum nigrum) in meinem Naturgarten.

Zitronenfalter an Heilziest

Hier der schöne hellgelbe Zitronenfalter am blühenden Heilziest (Betonica officinalis). Die Weibchen des Zitronenfalters sind übrigens heller als die Männchen.

Zitronenfalter benötigen unbedingt den Faulbaum (Frangula alnus), um ihre Eier abzulegen. Die kleinen Raupen können nur die Blätter dieses unauffälligen, kleinen heimischen Baums fressen. Wo es keine Faulbäume gibt, gibt es keíne Zitronenfalter. Und Faulbäume sind auch bei Honigbienen (und Wildbienen) sehr begehrt. Der ganze kleine Baum summt im Juni und noch bis in den Juli vor Bienen. Es ist fast schon ruhestörend, wenn man darunter liegen möchte 🙂

 

Wollbiene an Heilziest

Der Heilziest (Betonica officinalis) ist eine der schönsten heimischen Blühpflanzen. So schön, dass er auch in der klassischen Gartengestaltung eingesetzt wird. Und jetzt blüht er gerade so richtig auf in meinem Naturgarten. Wenn Sie die Wollbiene, eine der rund 100 heimischen Wildbienen in unserem Landkreis kennenlernen möchten, dann pflanzen Sie Heilziest. Sobald Sie ein paar blühende Exemplare betrachten, sehen Sie die Biene, die wie eine rundliche Wespe gefärbt ist. Hier kann mal also „Tiere“ pflanzen.

Übrigens auch Weißlinge und Zitronenfalter fliegen in Mengen auf die pinkfarbenen Blütenkerzen des Heilziest. Sie möchten im Hochsommer eine Wolke von Schmetterlingen in Ihrem Garten sehen? Dann pflanzen Sie 5-7 Heilziest, 5-7 Scabiosa ochroleuca und ein paar Origanum-Pflanzen. Sie alle blühen jetzt Ende Juli, Anfang August und ziehen Schmetterlinge in Wolken an.

Aber vergessen Sie nicht, dass die Schmetterlinge nicht nur Futter für die Falter sondern vor allem auch Futter für ihre Raupen benötigen, um sich zu vermehren. Pflanzen Sie Faulbaum (Frangula alnus) für den Zitronenfalter. Es ist der einzige Baum, an dem der schöne Falter in unseren Breiten seine Eier ablegen kann. Lassen Sie ein paar Kohlblätter für die Raupen der Weißlinge stehen und langes Gras (Honiggras, das bei uns sehr verbreitet ist, Pfeifengras, Trespe etc.) für das Ochsenauge.

Heimische Wildstauden für den Feuchtstandort in ehemaligen Moorgegenden

Im Wildstaudenbeet mit den wirklich gebietstypischen Stauden blüht jetzt der Große Wiesenknopf auf (Sanguisorba officinalis). Er wird deutschlandweit schon kartiert und ist doch u.a. durch Piet Oudolf zu einer der typischen Zierstauden für das moderne Staudenbeet geworden. Ich plädiere für die Wildform. Schön genug ist sie allemal mit ihren dunkelweinroten, fast braun wirkenden Blütenknöpfchen. Sie ziehen Bläulinge und Weißlinge (Falter) an.Der Große Wiesenknopf versamt sich sehr stark bei mir. Die Exemplare, die über die Wege hängen, stehen lange in meiner Vase.

Daneben ist dieses Jahr auch das Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria) gut in die Blüte gekommen. Es duftet interessant nach Mandeln. Die Blätter sind essbar, aber natürlich etwas bitter. Ein Rosenkäfer landet laut brummend auf der schaumig-cremeweißen Blüte. Er frisst Pollen. Wenn aber z.B. Rosen zu stark gefüllt sind, dann wurden die so wichtigen Staubgefäße mit dem Pollen in viele neue Blütenblätter umgezüchtet und der Rosenkäfer findet dort keine Nahrung mehr. Wer ihn sehen möchte, sollte besser schalenförmige, ungefüllte Rosen, Thalictrum aquilegifolium (heimische Akeleiblättrige Wiesenraute), Thalictrum flavum (für den Teich, das Bachufer, heimische Gelbe Wiesenraute) oder eben Mädesüß (an Teichen, Gräben) pflanzen.

Die blauen Kerzen stammen vom Langblättirgen Ehrenpreis (Veronica longifolia). Dies ist eine Staude, die in unserer Region an den Flüssen vorkommt, sich aber erstaunlicherweise in meinen Beeten auf sandigem, abgetorften Moorboden mit jährlich nur einer ganz kleinen Spur Dünger sehr stark aussät. Eine Rote-Liste-Art, die von Schmetterlingen und Bienen stark besucht wird. Wunderschön, gebietsheimisch… was möchte ich mehr. Nächstes Jahr versuche ich es ganz ohne Dünger. Am Teichrand versamt er sich schon von alleine.

Ganz vorne noch steht eine der sich auch oft selbst gut versamenden Schwarzen Königskerzen (Verbascum nigrum) mit ihren gelben Blüten mit den violetten Staubgefäßen. Sie ist bei bestimmten Wildbienen sehr beliebt. Ein weiterer Vorteil dieser Königskerzen-Art: Es ist eine Staude, die jedes Jahr wieder kommt. Und sie passt gut auf unsere Böden, denn sie kommt auch auf kalkfreien, sauren Böden wild vor.

Alle diese Stauden, die sich selbst versamen, machen das Gärtnern im Naturgarten so einfach. Sie schließen alsbald alle Lücken, so dass ich kaum Unkraut zupfen muss. Noch ein Vorteil des Naturgartens 🙂

Hochsommer im 70% – Naturgarten

Mittlerweile ist Juli – Hochsommer. Was ist nun im Naturgarten zu sehen? Die Beete zeigen andere Wildstauden als noch vor einem Monat. Zartrosa, Rosa, Pink und Gelb dominieren: Rosenmalve, Schwarze Flockenblumen, Gelbe Skabiose und Johanniskraut. Jetzt endlich sind an einem Sonnentag all die Schmetterlinge zu sehen, auf die ich bisher umsonst gewartet hatte, und es summt und surrt. Die Ameisen schwärmen auch heute aus und starten alle gleichzeitig zum Flug. Rosenkäfer sitzen auf Mädesüß (Filipendula ulmaria), das dieses Jahr gut blüht, weil es jetzt lange geregnet hat.

Heute im Naturgarten – Liege zwischen Wiesenwitwenblume und Margerite

Mein neuer Lieblingsplatz an sonnigen Sommertagen: die Liege zwischen den Terrassenbeeten im Schatten unseres Hausbaums. Vorne blüht noch die in Norddeutschland in Wiesen vorkommende Wiesenwitwenblume (Knautia arvensis) und im Beet dahinter blüht die Straußblütige Margerite zusammen mit Stipa gigantea (aus den Pyrenäen). Hier liegt man gut und kann die Vögel in der alten Eiche und am Teich beobachten.