Die besten heimischen Wildpflanzen für Insekten im Juli – 3: einfach mal das Ferkelkraut blühen lassen

Im nicht zu gepflegten Rasen oder eben „Kräuterrasen“ blüht jetzt das Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), wenn man es blühen lässt. Es muss nämlich nicht immer die komplizierte Version einer Wiese sein. Es muss nicht alles abgetragen, verändert und teuer neu eingesät werden. Der hiesige Boden, gerade auf den sandigen Flächen in Moor- und Geestgegenden, ist so nährstoff- und kalkarm, dass sowieso die Hälfte oder mehr der eingesäten Arten hier gar nicht langfristig wachsen können. Ich habe mal einen großen Garten gesehen, in dem eine solche Wiese mit süddeutschem Saatgut angelegt war – und sie sah nach ca 5 Jahren genau so aus, wie mein „Rasen“, wenn ich ihn wachsen lasse. Im Juli blüht dann vor allem : Ferkelkraut.

Und die gelben Zungenblüten, vor allem jetzt nach dem Ende der Löwenzahnblüte, sind für bestimmte, spezialisierte Wildbienen bei uns besonders wichtig. Hier ein Foto eines Hosenbienen-Männchens auf Ferkelkraut. Diese Wildbienenart erkenne ich an ihren „abgespreizten“ Beinen, an denen die Weibchen Pollen sammeln. Manchmal ist so viel Pollen am Bein, dass es aussieht, als hätte die Biene eine dicke „Hose“ an. Gucken Sie einmal, wenn Sie irgendwo Ferkelkraut haben, dann sehen sie ziemlich bald auch die Hosenbiene.

Hier noch ein Bild unseres „Rasens“, der dieses Jahr in zu einer Wiese auswachsen durfte. Im Juni, dem Heumonat, wurde er gemäht, und nun ist er wieder nachgewachsen und zeigt eine zweite Blüte: vor allem Ferkelkraut. Aber nach und nach kommen auch noch einmal Wiesen-Witwenblume und andere Blüten dazu.

Die besten heimischen Wildpflanzen für Insekten im Juli – 2: Langblättriger Ehrenpreis

An diesen schönen blauen Kerzen finden sich zur Zeit auch sehr viele Insekten. Der Langblättrige Ehrenpreis (Veronica longifolia) ist besonders empfehlenswert, da er wirklich hier im Landkreis z.B. am Ufer unserer Flüsse heimisch ist. Heimischer geht es nicht 🙂 Außerdem ist es eine Rote-Liste-Art. Und obwohl sie so gerne feucht steht, versamt sie sich gut bei mir im Beet. Nun ist dies auch eine ehemalige Moorgegend. Das Beet liegt auf abgetorftem Moor. So passt der Standort offensichtlich. In manchen Jahren wird es ihm auf dem sandigen Boden zu trocken, aber dieses Jahr blüht er bei dem vielen Regen üppig. So gibt es immer Stauden, die sich mehr in trockenen Jahren vermehren, und andere Stauden, denen der Regen besser bekommt. Wir müssen ein wenig zweigleisig fahren und von allem etwas in die Beete geben. Lassen wir die Natur dann jedes Jahr entscheiden, wie das Beet dann genau zusammengesetzt ist. Ein Jahr mehr Scabiosen und Malven, ein Jahr mehr Heilziest und Langblättriger Ehrenpreis.

Um solche Wildpflanzen zu kaufen, würde ich nicht zum normalen Gartencenter gehen. Gucken Sie unter www.naturgarten.org und dort unter „Mitgliedsbetriebe“. Hier finden Sie große und kleine Versender, die wirklich heimische und ungezüchtete Wildpflanzen verkaufen.

Die besten heimischen Wildpflanzen für Insekten im Juli – 1 : Oregano

Der absolute Hit bei den Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen ist zur Zeit der kleine Oregano (Oreganum vulgare). Es ist eine ursprünglich aus dem Mittelmeer stammende Wildpflanze, die mittlerweile auch in den gemäßigten Breiten heimisch geworden ist. Sie zieht im Spätsommer lange Zeit die Insekten magnetisch an wie kaum eine große Staude. Pflanzen Sie sie auf magerstem, sandigstem Boden in die volle Sonne.

Um wirkliche, züchterisch nicht bearbeitete Wildpflanzen zu bekommen, kauft man am besten bei Versendern, die sich auf heimische Wildpflanzen spezialisiert haben. Es wird im Moment bei den normalen Gärtneren und Gartencentern einfach zu sehr mit „bienenfreundlichen“ Pflanzen ein Geschäft gemacht. Gucken Sie mal unter : www.naturgarten.org bei den „Mitgliedsbetrieben“. Da gibt es große und kleine Versender heimischer Wildstauden.

Übrigens dieser Oregano ist nicht der „Pizzaoregano“. Er hat nicht diesen intensiven Geschmack. Aber natürlich ist er ebenfalls würzig und riecht nach Oregano.
Es gibt unter dem Namen „Oregano“ im Mittelmeerraum eine ganze Reihe unterschiedlicher und viel würzigerer Pflanzen. In Portugal habe ich auf dem Markt meinen absoluten Lieblingsoregano gekauft. Leider finde ich ihn hier bei uns nicht…

Jetzt Melde (Weißen Gänsefuss) ernten

Jetzt im Hochsommer ist auf den Ackerflächen im Gemüsegarten – aber auch auf manchem Neubaugrundstück – die „Melde“ gewachsen. Bei uns ist damit der Weiße Gänsefuss gemeint. Jetzt ist er saftig grün und hat wahrscheinlich schon die inhaltsstarken Samen ausgebildet. So nehme ich ihn als Grundlage für den Wildkräuter-Smoothie (mit 1 Banane, 1/2 Grapefruit und 1 Scheibe Zitrone mit Schale :-)). Oder er kommt kleingehackt als Ergänzung über den Salat, denn er schmeckt angenehm salzig. Oder ich nehme ihn ebenfalls kleingehackt für Spinat. Dazu brate ich gehackte Zwiebeln und Knoblauch an, gebe die kleingehackten weißen Gänsefußblätter ohne Stiele dazu. Etwas Wasser darüber geben, so dass es gut 5 Minuten lang kochen kann. Mit Sahne abschmecken und mit frischen Pellkartoffeln servieren. Das schmeckt ziemlich genau wie gekaufter Spinat, ist aber so viel frischer und steckt voller Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Die Wildkräuter haben im Vergleich zum gezüchteten Kulturgemüse übrigens sehr viel mehr der verschiedenen Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Jedes Kraut hat etwas anderes. Der weiße Gänsefuss punktet mit besonders viel Vitamin B1, Vitamin B2, Kalium und Magnseium. Es sind unglaubliche Werte…

Einfach rund ums Jahr immer 1-2 Handvoll derjenigen Kräuter pflücken, die gerade saftig grün sind. So kommt Abwechselung auf den Tisch und man wird mit den verschiedensten Vitalstoffen versorgt. Bestimmt ein Plus in unserer stressigen Zeit.

Mein Lieblingsstrauch

Der Gemeine Schneeball blüht: Viburnum opulus. Es ist die Wildform des bekannten Bauerngarten-Klassikers. Aber wenn man im Gartencenter einen „Schneeball“ bestellt, dann bekommt man oft einen asiatischen Schneeball. Die Familie „Viburnum“ stimmt dann, aber der zweite lateinische Namen ist anders. Die Bauerngarten-Variante mit den sterilen Blüten, die keine Beeren ergeben, dafür aber schöne „Schneebälle“, heißt übrigens Viburnum opulus Roseum (oder Viburnum opulus Sterile). Also ist és immer ein anderer Strauch, wenn der lateinische Name irgendwie anders lautet.
Das erzähle ich so ausführlich, weil wirklich am Naturgarten Interessierte es am Anfang schwer haben, die passenden Sträucher zu bekommen. Man muss sich schon gut auskennen, denn die Gärtner haben z.T, das Wissen nicht. Für sie ist manchmal „Schneeball“ gleich „Schneeball“…

Und dieser hier, der wirklich standorttypische Schneeball unserer feuchten Moorgebiete, ist so schön, dass ich ihn wirklich in jeden feuchten Garten pflanzen möchte. Er heißt auch „Wasserschneeball“ , was schon darauf hindeutet, dass er es nicht so trocken mag.

Seine Blüten sehen wie große Tellerhortensien-Blüten aus. Danach bekommt er eine herrliche, dunkelrote Herbstfärbung und danach rote Beeren den ganzen Winter über. Diese Beeren sind zwar auch für die Vögel gut. Aber es ist eher eine „Notfallration“, die die Vögel nur fressen, wenn der Winter wirklich besonders hart wird. So wie dieses Jahr, da haben sie sie mal wieder aufgefressen. Innerhalb von 2-3 Tagen waren die 3 Sträucher leer.

Also, wenn Sie einen schönen heimischen Strauch suchen, der 3-4 Meter hoch wird, also nicht geschnitten werden muss, wenn Sie den Platz dafür haben, dann empfehle ich: Viburnum opulus.

Essbares Wildkraut der Saison: die Brennessel

Jetzt blüht der Giersch schon und ich hatte gar nicht die Zeit, ein Foto vom Gierschspinat in den Blog zu stellen. Auch der Löwenzahn, mein allerliebsten essbares Unkraut, ist jetzt verblüht und seine Blätter werden etwas ledriger. Genau in diesem Moment wächst nun die Brennessel so richtig schön saftig. Noch blüht sich nicht, das heißt ihre ganze Kraft steckt im Moment in den Blättern. Zeit für einen Smoothie mit Brennessel oder den sättigenden Brennessel-Spinat. Die Brennessel steckt voller Mineralien wie Kalzium und Eisen. Sie enthält ein Vielfaches von dem, was in gezüchtetem Kulturgemüse zu finden ist. Daneben natürlich eine ganze Bandbreite an Vitaminen und anderen wichtigen Vitalstoffen. Sie ist das Frühjahrs-Reinigungskraut. Unersätzlich auch in der Kartoffel-Brennesselsuppe. Probieren Sie es aus. Sie werden erstaunt sein, wie sättigend solch eine Mahlzeit ist.

Ein Lehmkasten für Pelzbienen – Eine Bauanleitung

Schon seit einiger Zeit wollte ich die Bauanleitung für den Pelzbienen-Kasten hier in den Blog stellen. Mein Wildbienen-Spezialist hat die Anleitung für mich aufgeschrieben. Viel Spaß beim Bauen. Vielleicht ist das auch ein schönes Projekt für Kinder. Sonnig und geschützt aufstellen und irgendwo im Garten im Halbschatten Lungenkraut pflanzen.

Und im nächsten Frühjahr und vor allem im Frühjahr danach kann man dann sofort die interessante hummelähnliche Frühlings-Pelzbiene beobachten. Sie stellt sich praktisch sofort ein, wenn irgendwo Lungenkraut blüht. Und wenn noch ein Lehmkasten daneben steht, dann brummt es dort im April. Viel Spaß!

Bauanleitung für einen Lehmkasten für Pelzbienen:

Man benötigt einen Kasten, zum Beispiel aus Holz oder Stein und Claytec-Lehmpulver (Baulehm gemahlen) ohne irgendwelche Zusätze. Der Kasten sollte nicht zu groß sein, da er nach dem Befüllen ziemlich schwer wird. Man kann auch mehrere kleine Kästen befüllen und die nebeneinander oder übereinander stapeln. Das Lehmpulver schüttet man nach und nach in den Kasten und giesst immer wieder vorsichtig Wasser nach. Auf keinen Fall zuviel Wasser nehmen, da der Lehm sonst zu hart wird und nicht von Pelzbienen besidelt wird. Das angefeuchtete Lehmpulver dann immer wieder durchkneten, so dass eine krümelige Struktur entsteht, in etwa wie ein Streuselkuchen. Man kann den Lehm auch in einem Extragefäß ankneten und dann nach und nach in den Kasten füllen. Dies sollte aber zeitnah geschehen, da sonst bei einer längeren Pause der Lehm nicht mehr richtig haftet. Die Lehmschicht sollte ungefähr eine Mindesttiefe von 10 cm haben, da die Pelzbienen ihre Nistgänge darin graben wollen. Sie graben aber nicht nur in die Tiefe, sondern auch seitlich. Zum Schluss die letzte Lehmschicht leicht mit der Handinnenfläche andrücken, damit der Lehm nicht gleich wieder rauskrümelt. Dann in den noch weichen Lehm 8 mm-große Löcher hineindrücken. Aber nur ca. 2 cm tief. Die Pelzbienen nehmen diese Löcher als Beginn für ihre Nistgänge. Besiedelte Löcher erkennt man an dem feinen Genagsel unterhalb des Loches. Den Lehmkasten dann durchtrocknen lassen an einer regengeschützten Stelle oder drinnen im ungeheizten Raum. Nach dem Trocknen kann man entstandene Risse noch mit weichem Lehm zuschmieren. Dann den Kasten an einer regengeschützten Stelle (am besten mit Dach) sonnig oder halbschattig aufstellen. Wenn der Kasten erstbesiedelt ist und die Frühlings-Pelzbienen nicht mehr fliegen (im Juni) am besten den Kasten mit Kaninchendraht vor Vogelfraß schützen.

Kräuterrasen und Wiese statt Rasen

Jetzt ist unser Kräuterrasen vom Frühjahr richtig hoch gewachsen und man sieht die Mähwege, die hindurchführen. Das sieht schön aus, solange die Beete höher sind und deutlich stärker blühen. Dann sieht man den Unterschied zwischen Kräuterrasen und Beet. In den Beeten blüht jetzt die Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis). Eine der Leitstauden meines Beetes, das ja eine „stilisierte Wiese“ darstellen soll.

Die Wiese und der Kräuterrasen ist übrigens grüner und blüht gar nicht so bunt, wie es manche billige Einjährigen-Mischungen versprechen. Aber so sind Wiesen hier bei uns ja auch. Es blühen bestimmte Arten, nicht ein ganzer bunter Blumenstrauß an bunten Farben. Und jedes Jahr kommt im Garten eine Art aus den Beeten dazu.

Demnächst muss der Kräuterrasen dann aber wirklich einmal gesenst werden, wenn es jetzt trocken wird. Am besten kommen Nachbars Ponys noch einmal herüber und fressen mir alles herunter. Das ist so schön natürlich und einfach zugleich.

Im Kräuterrasen blüht gerade hier und da die Ochsenzunge (Anchusa officinalis) auf, die aus dem Kalksandbeet kommt. Sie wird von vielen kleinen Hummeln beflogen und ist eine wirkliche Bereicherung meines Gartens geworden.

Heimische Wildrosen und ihre Sorten: Rosa pimpinellifolia Latifolia

Hier möchte ich ein paar der heimischen Wildrosen und ihrer Sorten vorstellen: Bibernellrosen (Rosa pimpinellifolia) und ihre Sorten blühen ungefähr einen Monat früher als die meisten anderen Rosen und haben dazu einen herrlichen, weit tragenden Duft. Ihr Blatt sieht den ganzen Sommer über gesund aus. Ein wunderschöner Kleinstrauch von ca 1 – 1,5 m Größe. Die ungefüllten oder wie hier halbgefüllten Blüten bieten noch Pollen für den Rosenkäfer. Auf dieser Rosa pimpinellifolia Latifolia habe ich oft mehrere der goldglänzenden Käfer.


Alle europäischen Rosen blühen aber nur einmal im Jahr. Es sind die asiatischen Rosen, die mehrfach blühen. Ein Grund für die Kreuzung der Rosen.
Dafür braucht man die Bibernellrose aber z.B, überhaupt nicht zu wässern. Sie benötigt sogar Sandboden, denn ursprünglich kommt sie von den Sanddünen der Nordseeinseln und ähnlichen Gebieten. Heute wächst dort die flächig ausgebrachte und sehr starke Rosa rugosa aus Ostasien (Japan, Korea). Selbst Gärtner verkaufen die Rosa rugosa mittlerweile als „heimische Wildrose“ – gerade bei einem Kunden gesehen.
Die Bibernellrosen schneide ich auch nicht, ich kappe nur konsequent jedes Jahr die Ausläufer, die jede Bibernellrose und jede Gallica-Rose, die noch auf ihrer eigenen Wurzel stehen darf, austreibt. Das war gut auf den Sanddünen :-). Also sind für alle Hänge in praller Sonne auf Sandboden Bibernellrosen sehr zu empfehlen. In den meisten Gärtnereien pfropft man allerdings Bibernell- und Gallicarosen auf andere Wurzelstöcke. Möchten Sie das Original? Dann bestellen Sie bei Naturgarten-Versendern (s. www.naturgarten.org).
Meist braucht die Rosa pimpinellifolia nicht einmal eine Düngung. Aber wenn Sie in reinen Sandboden pflanzen, geben Sie im ersten und zweiten Jahr ein wenig natürlichen Dünger (Kompost, Bio-Streudünger) und ein wenig Kalk. Ist die Rose immer noch gelblich und schwach, weil Sie z.B, auf einem Neubaugrundstück in reinen Sand gepflanzt haben, dann geben Sie ein oder zwei Mal im Herbst reinen Pferdemist. Danach wächst sie von alleine. Und blüht und duftet im Mai oder im Juni …. dem Rosenmonat. .

Jetzt im Kräuterrasen: Gamander-Ehrenpreis für Wildbienen

Blüht es vielleicht irgendwo in Ihrem Rasen oder in Ihrer Wiese jetzt auch blau, wie hier auf dem Bild? Dann haben Sie den Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), eine schöne kleine Bereicherung unserer Wiesen. Mein Wildbienenspezialist hat diese Veronica auch immer gerne verwendet. Und in unserem Kräuterrasen breitet sie sich gerade aus. Es ist spannend zu beobachten, was daneben noch alles hochkommt.